• Ulrike Freimuth

Loslassen: Ist die höchste Integration (Chuck Spezzano)

Loslassen ist nicht Los-werden, sondern dem einen Platz in unserer Biografie, Vergangenheit zu geben, was wir loslassen möchten und dadurch die Erfahrung, die Erkenntnisse, die Energie in uns zu integrieren bzw. es dort zu verorten, wo es hingehört, was auch bei einem anderen Menschen sein kann. Dann steht uns unsere Kraft für uns selbst wieder zur Verfügung.

Was macht es so schwer, einfach mal loszulassen...?

Klassiker, die schwer loszulassen sind: Emotionale Themen, Gedanken, ungesunde Situationen und verstorbene Menschen, die uns nahe standen. Oft sind es letztlich Muster und Selbstbilder, die aus frühen Prägungen entstanden sind. Es gilt zu erforschen, welches Muster sich hinter einem schwierigen Loslass-Prozess verbirgt, was also erkannt werden mag und in Zukunft anders gelebt werden möchte. Es geht um ein tieferes Schauen, Erforschen, Eintauchen in das, was du loslassen magst.


Die folgenden Fragen bzw Forschungsschritte können dir dabei helfen, dem auf die Spur zu kommen. Und auch hier gilt: Nimm dir etwas Zeit dafür, auch in einen emotionalen Kontakt mit dem zu gehen, was sich zeigen mag und nicht auf einer rein kognitiven Ebene stehen zu bleiben. Ein Loslass-Prozess ist immer auch eine Chance auf tiefe Heilung. Du weißt schon, wie Chuck es gesagt hat: Loslassen ist die höchste Integration.


Fragen für den Integrationsprozess

1. Dient dir das, was du loslassen möchtest noch? Und auf welche Weise dient es dir?

Auch ein dysfunktionales Muster kann auf anderer Ebene Sicherheit geben, da wir immer nach Sicherheit streben. So kann das Vertraute, also Bekannte und damit früh Geprägte trotz der Destruktivität, die oft darin liegt, doch auch Sicherheit schenken. Damit wird einleuchtender, warum wir zB in ungesunden Jobsituationen oder auch Partnerschaften bleiben.

Oder wir können uns auch fragen, was müssen wir bzw. müssen wir nicht, wenn wir eben nicht loslassen?

Wenn du hierauf Antworten findest, hast du eine wichtige Erkenntnis gewonnen, die es einfacher machen wird, loszulassen, in einem ganz natürlichen Prozess.


2. Was wäre stattdessen deinem jetzigen Entwicklungsstand entsprechend, deinen jetzigen Bedürfnissen entsprechend, angemessen zu tun, zu leben?

Also was würdest du dir wünschen, wenn du loslassen könntest und neu startest, wie würdest du dich dann zB verhalten, was genau würdest du tun, was wäre das konkrete Handeln, auch wie würdest du dich fühlen, etc. ?

Also nochmal ganz knapp die Schritte bzw. Fragen:

  • Wofür dient es noch?

  • Worauf möchtest du dich lieber ausrichten?

  • Gibt es noch eine unvollendete Lernaufgabe in diesem Geschehen?

Gerade die letzte Frage ist eine Frage, die du dir immer mal wieder im Prozess des Loslassen stellen kannst.


Zum Abschied nehmen von verstorbenen Menschen eignen sich diese Fragen und die damit verbundenen inneren Prozesse:

  • Was möchtest du würdigen ?

  • Was hat dir der Mensch, den du verabschiedest, gelehrt/ gezeigt - was hast du für dich gelernt/ heilen können?

  • Was magst du dem Menschen noch mitteilen?


Zum Thema Loslassen...

Prozess: Das alte Muster erkennen, anerkennen, dann eine neue Richtung, neue Haltung, ein neues Muster einnehmen und dieses dann zu pflegen. Es ist also ein Prozess, der hier beginnen, angeregt werden kann.



Dann ist die Zeit da, dich für das Neue zu entscheiden und dich dafür verbindlich zu erklären. Und dann diese neue Haltung, das neue Muster praktisch zu üben in deinem Leben, in kleinen Schritten und Situationen, immer wieder, mit gewisser Leichtigkeit und weniger Verbissenheit … es ist ein wenig so, als würde man ein Instrument lernen zu spielen. Ohne Freude und einem täglichen Üben für ein paar Minuten, wird es schwierig werden, das Instrument spielen zu können.


Das klingt jetzt vermutlich nicht so sexy wie ein kurzer 3 Schritte Plan, nach welchem du in 1 Stunde kurz mal alles Hinderliche loslassen kannst, wie es der ein oder andere Coach gerne verspricht. Aber ganz ehrlich: Hat das bei dir funktioniert? Also bei mir und einigen Menschen, die ich kenne, auch nicht… Denn … nachhaltige Lösungen brauchen einfach Zeit und eine gewisse Beharrlichkeit von uns, sich dem neuen, gewünschten Muster erneut zuzuwenden und das als neuronales Netzwerk, neue neuronale Bahnen zu etablieren.


Es geht darum, das, was du losgelassen bzw verabschiedet hast, als wertvolle Erfahrung in deiner Biografie, deiner Vergangenheit, seinen Platz zu geben. Loslassen ist ein Prozess, der die Energie zu uns zurückbringt, der uns in die Eigenverantwortung bringt, in die Selbstwirksamkeit, die Heilung, der uns befreit von dem, was an Ungutem in unserem Leben dominiert.

Alles Liebe, Ulrike


fotocredits to: nikoloudis.art

41 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen